Stand: 27.05.2018

die große Ostseetour 2017

 

47 Tage unterwegs, 9 Länder an der Ostsee, 4053 km geradelt, 10 kg abgenommen

 

Die Idee

Als ich 2012 rund 700 km den Ostseeküstenradweg von Kiel bis Rügen geradelt war hat mir das so gut gefallen, dass ich die Idee hatte im Jahr meiner Pensionierung einmal die Ostsee zu umrunden. Dann kam in Gedanken das Nordkap dazu, unter dem Motto: wenn man schon einmal so weit im Norden ist. Nachdem ich einiges gelesen hatte kamen dann doch Zweifel auf, insbesondere Mücken, Regen und Übernachtungen im Zelt schreckten mich ab. Aber eine große Radtour wollte ich in jedem Fall machen. Vielleicht nach Sizilien fliegen und von dort heim fahren?

Im Mai 2016 nahm ich am jährlichen Treffen des "Radreiseforums" auf dem Campingplatz in Travemünde teil und radelte anschließend noch einige Tage mit dem Zelt durch Schleswig-Holstein und das Emsland. Ich wollte einfach sehen, wie es mit über 60 im Zelt ist. Ab Oktober ging dann die eigentliche Vorbereitung los, ich hatte mich für die Tour nach Norden entschieden. Ich suchte Mitfahrer, bin aber vier Mal "gescheitert". Regensachen, Moskitonetz, Netbook und einige andere Sachen für unterwegs wurden gekauft, Tracks wurden ausgearbeitet, ein Visum für 4 Wochen Russland wurde beantragt, eine Auslandskrankenversicherung wurde abgeschlossen, der Mobilfunkvertrag wurde geändert (außer in Russland hatte ich überall Telefon- und Datenflat) und trainiert wurde auch. 

 

Der nachfolgende Blog wurde von April bis Juli geschrieben. Unterwegs hatte ich immer den aktuellen Tag oben, hier ist nun die richtige Reihenfolge.

 

Morgen geht es los,  wenn es am Dienstag, 25.04., nicht schüttet, sonst Mittwoch

Nun ist es soweit, nach 55 Jahren Schule und Beruf beginnt die große Freiheit, 4 Monate mit dem Fahrrad durch 10 Länder. In meinem Bekanntenkreis sieht die Mehrheit das Vorhaben eher mit Skepsis aber es gibt auch viele, die mich zu dem Vorhaben beglückwünschen und  sagen, wenn nicht jetzt mit 62 wann dann. Ich bin dankbar, dass meine Frau mich von Anfang an bei meinem Vorhaben unterstützt hat, auch wenn sie das in den letzten Tagen mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht.

Früher habe ich als Diskuswerfer mit bis zu 230 kg auf dem Rücken tiefe Kniebeugen gemacht, daher begann für mich das Radfahren Mitte der 80iger Jahre als Therapie. 1995 bin ich erstmals auf Tour gegangen, Leverkusen - Passau, zu einer Zeit, als noch die Wenigsten an Radreisen dachten. In den letzten 6 Jahren habe ich immer die 10.000 km im Jahr überboten, mit dem Pkw waren es teilweise keine 1.500 km. Das Fahrrad ist ein Fortbewegungsmittel, damit ein Ausgleich zu meiner sitzenden Tätigkeit (gewesen), Entspannung, mehr Sehen als andere, einfach Freude. Was ist da naheliegender als ein ausgedehnter Urlaub in Form einer Radtour. Andrea fährt ebenfalls gerne Rad, muss aber noch Arbeiten und mag das Leben aus Packtaschen nicht, also gehe ich alleine auf Tour.

Ich habe viel geplant, Tracks ausgearbeitet, auch alternative Routen, die Ausrüstung vervollständigt, im Fahrradmarkt Leverkusen versucht möglichst viel für evtl. Reparaturen zu lernen, über unseren Bürgermeister, Herrn Bernhard Marewski, Verbindung zu unserer Partnerstadt Oulu aufgenommen, 3.400 km in diesem Jahr trainiert,  aber ob alles so laufen wird wie es soll und ob ich es mental und körperlich schaffen werde, weiß ich erst hinterher, der Wille ist vorhanden. Ich starte in Leverkusen, fahre Richtung Nordost und müsste am 01. Mai die Ostsee (Wismar) erreichen.  Ca. am 24. Mai möchte ich in Sankt Petersburg sein und mir einige Tage die Stadt anschauen, Mitte Juni werde ich in Oulu sein und dann sind es noch 1.000 km bis zum Nordkap. Für die Rückfahrt über Norwegen, Schweden und Dänemark habe ich unterschiedliche Tracks, mache mir aber über Details noch keine Gedanken.

Ich werde versuchen, diese Seiten auch von unterwegs zu pflegen, ob das immer gelingen und wie aktuell es sein wird, weiß ich noch nicht. 

Fahrrad mit Halter - 18,2 kg, Gepäck - 32,5 kg, Wasser - 3,5 kg, Gesamt - 159,8 kg

 

25.04.2017 - Leverkusen - Fröndenberg/Ruhr - 106 km

Auch wenn mir das Wetter gar nicht gefallen hat, ich habe die ersten 106 km geschafft und die waren wirklich nicht leicht.  Erst ging es die Balkantrasse bis Lennep hoch, aber schlimmer waren die 12,8% Steigung in Beyenburg.  Eigentlich wollte ich ja zum Campingplatz Ruhrtalblick in der Nähe von Iserlohn, 90 km. Dort gab es aber kein Fass oder sonst die Möglichkeit einer warmen Übernachtung und so bin ich weiter bis Fröndenberg, wo ich ein Hotelzimmer gefunden habe.

Erste "Opfer" gab es auch: bei einer schnellen bergab Passage ist die Trinkflasche aus der Halterung gesprungen und der Trinkdeckel ist zersprungen. An einer Tankstelle habe ich eine Flasche gefunden von der der Verschluss passt.

Dann habe ich abends beim Duschen festgestellt, dass ich keinen Kamm habe. Das Gepäck war ja viel zu schwer und so wurde insgesamt dreimal umgepackt, der Kulturbeutel wurde auch eingespart und durch eine Plastiktüte ersetzt, dabei habe ich wohl den Kamm übersehen. Ohne die Mithilfe unseres Sohnes hätte ich immer noch 3 kg mehr an Gewicht mitgeschleppt.

47 € Hotel mit Frühstück

 

26.04.2017 - von Fröndenberg nach Steinhagen - 106 km

Bach dem Start ging es wieder aufwärts, raus aus dem Ruhrtal nach Nordost. Die Temperatur war am Vormittag nur im einstelligen Bereich, nachmittags hatte ich auch mal 12 - 14 Grad. Also war es den ganzen Tag ungemütlich, ein Regenschauer kam hinzu. Das hat mich dann doch bewogen wieder ein Hotel für die Übernachtung zu nutzen.

Aber hier funktioniert das Netz so schlecht, dass ich nicht den Track hochgeladen bekomme.

Und mein Longshirt zum Radeln habe ich gewaschen.

42 € Hotel mit Frühstück, 20 € Abendessen, 4,10 € Kaffee, Kuchen,

Das Ruhrtal von oben

 

27.04.2017 - von Steinhagen nach Stolzenau - 104 km

Erst möchte ich mich für all die guten Wünsche herzlich bedanken.

Eigentlich wäre es heute ein super Tag gewesen, wenn es 10 Grad wärmer geworden wäre, aber bei 9,5 Grad um 12:00 Uhr ist das nicht immer einfach. Eigentlich ging es noch, ein paar Tropfen und fast nur Rückenwind waren erträglich. Aber der Weg und das Fahren waren heute sehr gut. Vor allem der Weserradweg von Rinteln bis zum heutigen Zielort Stolzenau ist einfach super. Und ich habe heute das Wasserkreuz in Minden gesehen. Vor zwei Jahren auf der Wesertour bin ich durch Umleitungen irgendwie daran vorbei geradelt.

Das Hochladen der gpx-Datei bei Naviki gestaltet sich immer noch problematisch. Ich werde nach dem Abendessen noch ein wenig versuchen.

Und Im Leverkusener Stadtanzeiger gab es einen Bericht.

Kaffee, Kuchen - 4,20, Hotel mit Frühstück - 45 €, Abendessen - 22 €

 

Wasserkreuz Minden, oben Mittellandkanal, unten Weser

 

28.04.2017 -  Stolzenau - Soltau - 97 km

Es läuft, aber rechte Freude kommt noch nicht auf. Um 13:30 Uhr waren es mal wieder 9,5 Grad. Und dann frage ich, mich wirklich, wie manche Wege in das Radwegenetz kommen, zumal wenn man einen Weg mit vielen Schlaglöchern fährt und 300 Meter weiter verläuft die glatte Straße hinterm Wald. Dafür habe ich mich mit dem ersten leckeren Eis entschädigt.

Aber meine Entscheidung für eine Nordkaptour habe ich heute schon ein wenig bereut. Ich hatte ja mal daran gedacht, nach Sizilien zu fliegen und von dort heim zu radeln. Bei dem Wetter wäre es die bessere Entscheidung gewesen.

Aber die Entscheidung nicht zum Campingplatz zu radeln sondern 400 Meter vorher dem Schild "Zimmer zu vermieten" zu folgen war vollkommen richtig, um 18:00 Uhr schüttet es heftig.

Zimmer mit Frühstück 25 €, Essen und Trinken für den Tag 26 €

 

schlechter Weg mit teilweise nur 40 cm Breite

der Weg ist gut, aber man sieht, wo man in einer Stunde sein wird

 

29.04.2017 -  Soltau - Breitenfelde - 105 km

Wetter nichts neues - um 13:30 Uhr hatte ich 8 Grad und das am 29. April. Ich hatte mir schon früh die Neopren-Überschuhe angezogen, um 10:00 Uhr hatte ich verdammt kalte Füße, nachmittags kamen dann noch einige Tropfen, also komplette Regenmontur. Eigentlich hätte ich Richtung Möllin am Elbe-Lübeck-Kanal lang radeln können. Der Weg ist unbefestigt und kurz vorher war dort wohl ein heftiger Schauer runter gegangen. Ich bin mit meinen 160 kg so eingesackt, dass ich nach 20 Metern wieder gedreht habe. Aber ich habe ja noch ein paar Wochen um auf den Sommer zu warten. 

Heute ging es von Soltau 46 km nach Lüneburg, die Elbe habe ich in Lauenburg passiert wo ich 2011 auf einer Radtour schon einmal gewesen war, weiter bis Breitenfelde, von wo es bis Lübeck noch knapp 40 km sind, aber ich wollte ja morgen fast nur nach Osten radeln um die Brandenburgische Seenplatte zu sehen. In Lübeck war ich schon drei Mal und ich wollte ja erst in Wismar an die Ostsee kommen. 

77 € Hotel plus Abendessen, 5,50 € Eis, 3,50 € Kaffee mit Brötchen,

 

Handelskammer in Lüneburg

  Und Wäsche musste auch wieder sein

 

30.04.2017 - Breitenfelde - Am Salzhaff - 105 km

Der Tag war von starkem Ostwind geprägt und ausgerechnet in diese Richtung wollte ich ja. Für die ersten 40 km habe ich 3:14 Stunden benötigt und das mit nur 20 Minuten für Pausen. Deshalb habe ich mir dann doch die Seenplatte geschenkt und bin direkt auf Wismar zu geradelt, was ich nach 77 km gegen 15:00 Uhr erreicht habe. Es war aber zu früh um schon eine Unterkunft zu suchen und so bin ich noch weiter gefahren und bin erstmals auf meiner Tour auf einem Campingplatz gelandet. Ich habe gestern genug Geld ausgegeben, bei rund 120 Tagen kann man nicht pro Tag 80 - 90 Euro opfern.

Übrigens für die Radfahrer: meine durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt eigentlich jeden Tag nur rund 14,5 - 15,5 km/h in Bewegung. Mehr schaffe ich in den hügeligen Landschaften diagonal durch Deutschland mit rund 160 kg Gesamtgewicht nicht.

Ostseecamping Am Salzhaff

 

01.05.2017 - Salzhaff bis Wustrow, Fischland Darß - 88 km

Die erste Nacht auf dem Campingplatz war auch nicht wirklich prickelnd, zwar hat die Übernachtung 11,60 € gekostet, dafür habe ich zweimal Abend gegessen und zwei Weizen getrunken, habe ich da also wieder 30 € ausgegeben, so dass ich doch auf 50 € am Tag gekommen war. Dann war ich gerade ca 30 Minuten am Schlafen als es auf dem Platz ein Feuerwerk gab um den 01. Mai zu begrüßen. Um 4:40 meinten sich dann die Krähen müssten sich unterhalten. Ich bin dann um 5:00 Uhr bei 3,7 Grad aufgestanden und bin um 6:30 abgefahren.

Bis auf den immer noch starken Ostwind war es heute richtig schön. Kühlungsborn, Warnemünde, Dierhagen um nur einige der schönen Orte an der Ostsee zu nennen. Da der Weg in diesem Bereich auch viel durch Wälder verläuft radelte man meist windgeschützt. Auf diesen Wegen sind auch viele Radler unterwegs so dass ich auch mehrfach Unterhaltung hatte. Zwei Bananen und zwei Äpfel habe ich mir auch gegönnt.

Dann habe ich auch daran gedacht, dass heute nach dreieinhalb Monaten Urlaub und Überstundenabbau mein erster wirklicher Tag als Pensionär ist. 

Aber ich habe auch daran gedacht, ob das wirklich richtig ist die Strapazen auf sich zu nehmen. Immerhin bin ich jetzt in 7 Tagen 714 km geradelt. Ach ja, da fällt mir ein, dass ab heute für 3 Wochen Stadtradeln ist und ich ja die Kilometer für die Stadt Leverkusen gut schreiben muss.

Nachdem ich wirklich 2 Stunden gefummelt habe um ins Netz zu kommen habe ich nun erstmals PC und Handy verbunden und bin so dazu gekommen diese Seiten fortzuschreiben.

5,60 Frühstück, 3,50 Obst, 2,50 Fähre Warnemünde, 22,00 Abendessen, 69,00 Hotel 

Landungsbrück Ostseebad Kühlungsborn

 

gesehen in Graal Müritz  

 

02.05.2017 - Wustrow - Stralsund - 91 km

Der Track hat 84 km, Tempo in Bewegung 12,7 km/h. Die schnellsten 5 km hatte ich 16,6 km/h, die langsamsten 5 km waren 7,2 km/h. Wustrow, Zingst bis Barth war alles ok und dann war ich auf freier Fläche Richtung Osten unterwegs und hier blies es heute bis 50 km/h. Es war also eine zweigeteilte Tour, bis 12:00 Uhr war alles super und dann war es Arbeit.

In Stralsund habe ich länger gesucht um etwas preiswertes für die Nacht zu bekommen, hat auch geklappt, nennt sich Bungalow (wir würden sagen Anbau vom Anbau) für 25 € und 4,45 € beim Netto für mein Abendessen.

Die schöne Seite: kurz vor Zingst reicht der Wald bis zum Strand

und hier das aufgepeitschte Wasser des Bodden

 

03.05.2017 - Stralsund - Zinnowitz auf der Insel Usedom - 78 km

Ich habe sowas von die Nase voll und überlege ernsthaft, ob ich einfach abbreche. 

Ich fahre jetzt den 4 Tag gegen den Ostwind an, Windstärken bis 50 km/h und bei Temperaturen von maximal 12 Grad. Kurze Radsachen hatte ich noch nicht einmal an. Um 15:00 Uhr habe ich dann bei einer Tasse Kaffee die Vorhersage bis Freitag Mittag mitbekommen: an der Ostseeküste Orkan bis Stärke 10 und bis 30 Liter Regen pro Quadratmeter. Das ist kein normales Radfahren, hat überhaupt nichts mit Urlaub und Spaß zu tun, sondern ist nur einfach harte Arbeit.

Zur "Stärkung" der Moral hat man dann zwischen Stralsund und Greifswald über 20 km Kopfsteinpflaster und keine Ausweichmöglichkeit. Die B 105 ist nicht für Radfahrer frei gegeben.

Ich werde hier morgen einen Ruhetag einlegen, Wäsche waschen und überlegen, wie es weiter gehen wird.

Es gab aber heute nicht nur negatives zu berichten. Ich habe in dem Bungalow wunderbar geschlafen und gestern und heute auch mal wieder einen Liter Milch getrunken. Um 8:00 Uhr war ich schon unterwegs. Greifswald ist ein schönes Städtchen und der Orteil Wieck mit Hafen besonders. In Greifswald steht ein Fahrradschild mit dem Hinweis: Danzig 512 km. 

4,80 € 2x Kaffee, 1x Teilchen, 20 € Abendessen, 34 € Übernachtung, Frühstück,

Imposant ist die Brücke über die Peene in Wolgast die täglich mehrmals angehoben wird. In Zinnowitz war ich heute eine Pizza essen, ich hatte bisher keine unterwegs.

 

04.05.2017 - Ruhetag in Zinnowitz - 23 km

Nach einem kurzen Einkauf, ich habe mir auch wieder eine passende 1,5 l Flasche für den Trinkhalter gekauft (Vitel), wollte ich bis Peenemünde raden. Auf halber Strecke fing es an zu regnen und es waren mal wieder um 11:00 Uhr 7,2 Grad, so dass ich gewendet habe.

 

05.05.2017 - Rundtour auf Usedom - 71 km, Inselausflug - morgen fahre ich heim

Für heute hatte ich mir noch Ahlbeck als Ziel gesetzt, egal wie das Wetter ist. So bin ich denn gegen 10:30 Uhr bei 8 Grad und letzte Regentropfen gestartet. Es ging durch den Wald an der Küste entlang, was ein wirkliches Auf und Ab ist, aber irgendwie war es schön, zumal ja kein Gepäck am Rad hing. Drei Steigungsstücke mit jeweils 16 % waren dabei zu erklimmen. Eigentlich wollte ich ja nur bis Ahlbeck aber ich bin bis Swinemünde geradelt, also nach Polen rein. Dort habe ich ein großes Softeis für 1,90 € gegessen, lecker. Zurück habe ich dann den Radweg an der B111 genommen, er ist 5 km kürzer und auch ebener.

Nach der Rückkehr habe ich dann erst einmal eine halbe Stunde Fahrradpflege betrieben.

geht eigentlich noch für eine Waldtour nach Regen

Die Landungsbrücke in Ahlbeck

Das Fahrrad auf dem Grenzstrich

 

06.05.2017 - Abbruch und Heimfahrt

Eigentlich wollte ich ein paar schöne Wochen haben, die mir Freude am Radfahren bereiten sollten, aber leider ist es anders gekommen. Durch die niedrigen Temperaturen direkt vom ersten Tag an, überwiegend zwischen 8 - 12°, und dem starken Gegenwind über mehrere Tage waren die insgesamt 980 km echte Arbeit die mich von Tag zu Tag mehr demoralisiert hat.  Mit solchen klimatischen Bedingungen habe ich erst Ende Juni gerechnet, wenn ich dem eigentliche Ziel näher gekommen wäre. Einen Nachmittag konnte ich die Winterhandschuhe ausziehen , aber lange Hose und Jacke habe ich stets tragen müssen. Da mittelfristig keine Besserung in Aussicht war , zwar waren für den 07./08. Mai für Polen 15° vorhergesagt, anschließend sollte es wieder auf ca. 6° am Tag runter gehen, machte für mich ein weiteres Abwarten keinen Sinn. Nachdem es am Donnerstag auch noch den ganzen Tag geregnet hatte, habe ich schweren Herzens den Entschluss gefasst die Tour abzubrechen. Samstag ging es 10 Stunden mit dem Zug zurück nach Leverkusen, umsteigen brauchte ich nur in Stralsund und Düsseldorf, 103.- Euro.

Wahrscheinlich wäre es doch besser gewesen wenn ich nicht alleine geradelt wäre. In solchen Situationen kann man sich gegenseitig motivieren und antreiben. Aber es ist halt schwierig für solche Touren Partner zu finden. Vielleicht geht es ja noch einmal weiter

12 Tage 980 km geradelt, 810 € unterwegs ausgegeben, 3 kg abgenommen.

 

Am Sonntag (28.05.) geht es wieder los! 

Diese Woche gibt es viel zu tun. Seit Samstag versuchen wir das Knacken im vorderen Bereich des Fahrrades zu lokalisieren. Inzwischen ist klar: es ist in jedem Fall das Laufrad. (Neues Rad wurde eingebaut).

Ich starte mit rund 15,5 kg weniger Gesamtgewicht als am 25.04., einiges habe ich einfach weggelassen, anderes gegen leichtere Dinge ausgetauscht. Neues Zelt: - 2,5 kg, Tablet statt Netbook: - 820 gr, kein Ersatzreifen: - 971 gr, keine Turnschuhe (nur noch Fahrradschuhe, Badelatschen und Clogs), Mikrofaser-Handtücher, ich: - 3 kg, keine Jeanshose  -  alles zusammen komme ich nun auf etwas über 144 kg.

Ein paar neue Tracks muss ich auch noch machen. Das Visum für Russland ist zeitlich begrenzt und reicht noch für Kaliningrad. Sankt Petersburg werde ich auslassen und direkt von Tallinn mit der Fähre nach Helsinki übersetzen. 

Und irgendwann werde ich vielleicht am Nordkap sein, nur das Jahr steht noch nicht fest.......

 

28.05. - Zugfahrt Leverkusen - Zinnowitz

Sonntag, 07:04 Uhr Abfahrt mit dem Zug in Leverkusen, Ankunft in Zinnowitz ca. 17:00 Uhr. Ich habe in Zinnowitz auch das gleiche Zimmer wie Anfang Mai, Vermietung durch Peggy Klöpfer, Dannweg 3. Dieses Schild, siehe Bild, hatte mich überzeugt und für 30 Euro plus 4 Euro Frühstück eine gute Unterkunft für Radfahrer. Abends gab es einen Gewitterschauer.

 

 

29.05.2017 - Zinnowitz - Mrzezyno, 123 km, gesamt 1103 km

Der zweite Versuch mit dem Tablet, ich hatte schon einmal geschrieben, es war aber alles weg.

Ich bin heute um 7:20 Uhr in Zinnowitz gestartet, es war knapp über 15 Grad, kurze Hose hatte ich den ganzen Tag tragen können , Jacke konnte ich nach 20 km ausziehen, aber mehr als 18 Grad wurden es nicht. Die ersten 32 km bis Swinemünde kannte ich ja schon. Die Fähre dort war für alle kostenlos, unsere Politiker sollten sich mal ein Beispiel daran nehmen. Danach lief es mit Rückenwind entlang der Straße gut. Aber nach 10 km ging der Europaradweg R 10 in den Wald und die nächsten 5 km waren höllisch: tiefer Sand, es hätte mich zwei Mal fast vom Rad geschmissen. Auf ca. halber Strecke kamen mir 2 Radler entgegen und wir haben uns erst einmal ausgetauscht, wie lange das noch so geht. Und natürlich waren nach dem Gewitter von gestern reichlich Mücken unterwegs, also erst mal einsprühen, half auch.

 

 

Aber es gab auch viele schöne Strecken, hinter Rewal läuft der R10 parallel der Bahnlinie und ist wunderbar neu asphaltiert. Aber oft bin ich dem Radweg gar nicht gefolgt sondern bin direkt an der Straße geblieben. Eigentlich wollte ich heute bis Kolberg kommen, aber auf dem Navigationssystem waren es 125 km, wirklich sind es aber ungefähr 145 km. Ich muss mich ja beeilen, mit meinem Visum für Russland möchte ich noch durch Kaliningrad kommen und es ist bis zum 06.06. gültig.

3.50 Euro Eiskaffee, 7 Abendessen, 20 Zimmer

 

30.05. Mrzezyno- Karwice, 120 km, gesamt 1230 km

Heute war alles dabei, Sommer und Regen, klasse Wege und Sand, gutes Radeln und Sturz. Da sind die 9 Mückenstiche von gestern nichts.

Morgens ging es super los, 6:15 Uhr Abfahrt, gutes Wetter, neuer glatter Weg, so hatte ich schnell die 18 km bis Kolberg hinter mir. Kolberg stellte ich mir größer vor, vor allem rechnete ich mit der Möglichkeit zum Frühstück. Aber da war gar nichts. Also ging es weiter. Um 9 Uhr konnte man schon die Jacke ausziehen, es ging bis 25°. Um 10:30 Uhr bot sich dann die Möglichkeit zum Frühstück, aber nur weil bei meinem Anblick eine halbe Stunde früher geöffnet wurde. Dafür war das Rührei mit 6 Scheiben Brot, Tomaten, Zwiebeln, Butter und 2 Tassen Cappuccino super und hat nicht mal 8 Euro gekostet.

Kurz danach hatte ich weniger Glück, in einem Sandbunker gab es kein Halten mehr und ich lag auf der linken Seite. Der Sand war so weich, dass der Spiegel keinen Schaden genommen hat. Mir tut dafür bei größeren Schlaglöchern eine Rippe weh. Kurz danach wurde ich durch eine Baustelle auch noch in die Pampas geschickt, teilweise 20 cm breit und wieder Sand, ich habe geschoben. Aber das war immer noch nicht genug Sand. Laut Naviki ging mein Track Mielno über 2 Nehrungen. Das erste Teilstück war ein traumhafter Weg, aber an der zweiten endete er im Sand und die Einheimischen versicherten mir, das man nur zu Fuß durchkommen würde. Also wieder den gleichen Weg zurück und eine andere Strecke suchen. Ich hatte mal wieder von schlechten Wegen die Nase voll und bin Straße gefahren, auch entlang der E 6 Richtung Danzig. Da fing es nach genau 100 km gegen 15 Uhr zu regnen an. Ich hatte Glück weil ich gerade an einer Tankstelle vorbei kam, aber nach 40 Minuten warten zog ich die Regensachen an und radelte so 12 km, bis ich sie doch wieder ablegen konnte. Nach 120 km hatte ich dann die Nase voll und habe das erste genommen was kam, eine Art Raststätte an der Bundesstraße. Kostet auch nur 20 Euro und das Essen und die 2 Bier für 10 Euro waren sehr gut.

 

31.05. Karvice - Rumia, 148 km, gesamt 1378 km

Heute war ein super Tag. Als ich wach wurde regnete es, also alles schön langsam. Um 8:45 Uhr kam aber der letzte Guss. Im Laufe des Tages blieb es trocken und die Temperatur kletterte entgegen der Vorhersage auf 23°, aber der Wind stimmte, bis 60 km/h, aber dieses Mal von hinten. Es ist toll, wenn man bei 23 km/h durch eine Boe beschleunigt wird. So hatte ich für die ersten 100 km entlang der Landstraße einen Schnitt von 20,1 km/h. Dann wurde es langsamer, erst bergan, dann durch die Stadt, dass hindert. Hier gibt es tolle Radwege, aber bei Ein- und Ausfahrten anschrägen ist nicht ihr Ding. Abends habe ich dann über eine Stunde eine Unterkunft suchen müssen, selbst bei der gehobenen Klasse hat erst die dritte geklappt. Übrigens bin ich noch 30 km von Danzig und 150 von der russischen Grenze entfernt. Der Flieder blüht hier jetzt erst, gestern hatte ich die ersten Störche auf der Tour gesehen.

58 Euro Zimmer mit Frühstück, 18 Euro Abendessen, 3,40 Kaffee und Kuchen

Kurze Zeit vorher war dieser gewaltige Ast im Sturm abgebrochen

 

01.06. Rumia - Danzig, 42 km, gesamt 1421 km

Heute war ein Bummeltag,ich wollte ja nur bis Danzig kommen. In der ersten Stunde war leichter Sprühregen, aber man brauchte keine Regenklamotten. Hinter Gdyna dachte ich, dass ich nur ein Stück nach Osten fahren könnte um wieder an die Ostsee zu kommen. Habe ich gemacht und konnte durch die Bäume Ca. 130 m unter mir das Wasser erkennen. Als ich dann bei Sopot wieder an die Küste kam war es ein Traum. Nur die Temperatur fiel unter 15 °. Danzig ist mit rund 460.000 Einwohnern die sechst größte Stadt in Polen und die Aussenbezirke sind dreckig wie in jeder anderen Großstadt. Um 13:00 Uhr hatte ich ein Hotelzimmer bezogen, machte mich etwas frisch und bin dann einige Kilometer zu Fuß durch die Stadt. Gestern hatte ich auch Rad-Shirt und Socken gewaschen, das Shirt war heute trocken, die Socken musste ich hier wieder aufhängen. Unterwegs hatte ich mehrfach mitbekommen, dass die Leute meinen, ich sei Holländer, wohl aufgrund meines orangefarbenem Radshirt. Kettenpflege hatte ich gestern auch durchgeführt, der Sand musste runter. Nun freue ich mich auf morgen, die 81 km bis zur russischen Grenze sind ja wohl machbar. Dann möchte ich gerne übermorgen die 150 km bis Litauen durch fahren. Mal sehen, ob das so klappt. Auf der Karte sind übrigens einige Punkte mit Bild hinterlegt.

 

02.06. Danzig - Frauenburg, 108 km, gesamt 1530 km

Heute war der Tag zweigeteilt, vormittags lief alles super, flach, gute Straßen, leichter Rückenwind, warm. Ab Mittag brachte der Tag einige Übel.

Ich war eine gute Straße geradelt und dann ging es nicht weiter. Zurück, zum Glück nur 7 km Umweg. Später ging es durch Wälder, Sand, ich habe ca. 2 km geschoben, Überfall von Mücken, Mal sehen, wie viele es dieses Mal waren, bis ich den Spray raus hatte, Panzerplatten. Und der Wind drehte auf Nord, kam also oft von vorne und wurde kühler. Aber bei dem Anblick aus dem Hotelzimmer war es dann doch ein guter Tag, Hotel Kopernik, 38 Euro mit Frühstück und man spricht erstmals Deutsch in Polen.

 

gestriger Mückenangriff in Polen

 

03.06. Frauenburg - Zelenogradsk, vor der Kurischen Nehrung, 118 km, gesamt 1648 km

Ich weiß nicht, wie lange ich Internet habe, bin hier schon mehrfach raus geflogen und ist nicht einfach, wieder rein zu kommen. Auch kann ich nur mit dem Handy arbeiten, brrrrr.

Genau 20 km sind es von Fromborg bis Russland. Auch wenn ich dreimal den Pass mit Visum vorzeigen musste und 5 Kontrollstellen passierte dauerte es knapp 15 Minuten. Die ersten Schilder zeigen : Kalingrad 49 km. Ließ sich gut radeln, aber 15 km vor Kalingrad nahm der Verkehr stark zu. Und so viele Autos, Gestank und Lärm wie dort habe ich noch nicht gesehen. Eigentlich sollte das mein Tagesziel nach 70 km sein, aber das ist mir schnell vergangen. Ich hatte übrigens im gesamten Raum Kaliningrad das Gefühl, alle Audi 100, Baujahr 85-94, die noch fahrbereit sind, fahren hier rum, aber ohne Kat. Auch stadtauswärts war der Verkehr nicht besser, aber irgendwann war ich raus. Und man muss aufpassen, die Gullideckel sind teilweise 30 cm abgesackt.

Was dann folgte war eigentlich zum Lachen. Durch Umleitung bin ich über eine Stunde geradelt und war wieder an der gleichen Kreuzung. Der Track war unter aller Sau. Ich hätte eine 20 cm breite Holzdiele über einen Wasser führenden Gaben, danach ein Bahngleis überqueren sollen um dann einen schmalen Trampelpfad zu folgen. Dafür habe ich dann das Rad entlang dem Gleis einige 100 m über den Schotter geschoben. Kurz nachdem ich da weg war kam auch der nächste Zug. Die nächste Schwierigkeit war eine Unterkunft suchen ohne Sprachkenntnisse, die Schrift sagt einem auch nichts. Es erschien mir daher das Beste, bis an die Küste zu radeln, da es dort am ehesten Hotels.com gibt. Aber auch als ich das gefunden hatte blieb nur die Verständigung mit Händen und Füßen. Kein Deutsch, kein Englisch, ich kein Russisch. Aber ich habe ein nettes sauberes Zimmer mit Frühstück für 2500 Rubel oder 38,13 Euro. In Polen war es mir schon aufgefallen, neben 2x0,5 l Wasser gibt es auf den Zimmern Wasserkocher und Teebeutel. Ach ja, in Polen bin ich auf 540 km gekommen.

Kaliningrad

hier ist mein daheim gefertigter Track - brrr

 

04.06. Zelenogradsk - Klaipeda, 108 km, gesamt 1756 km

Heute bin ich erst kurz vor 8:00 Uhr wach geworden, ich war vom Vortag erschossen. Das russische Frühstück war auch speziell, Brot, Brötchen Fehlanzeige, Geflügel, Würstchen, Toast mit Wurst und Käse überbacken, Teigtaschen mit Gehacktem. Wo bleibt da mein geliebtes süßes Brötchen? Mittags habe ich dann ein Magnumeis und eine Tomate verspeist, passt auch gut zusammen.

Erst muss man am Anfang der K. Nehrung ma 3 Rubel bezahlen damit die Schranken geöffnet werden. Rubel hatte ich ja nicht, Euro wollten sie nicht also die knapp 50 Cent mit Karte bezahlt. gedacht, dass die Kurische Nehrung 100 km ist und Klaipeda bis 1920 die nördlichste Stadt Deutschlands war. Es ist übrigens so groß wie Leverkusen. Es sind 50 km bis zur Grenze Russland - Litauen. Der Grenzübertritt war problemlos, auch wenn ich alle Taschen öffnen musste. Lustig fand ich, dass um 13:00 Uhr ein Fuchs um die wartenden Fahrzeuge schleicht und bettelt. Übrigens ist der russische Teil langweilig, rechts und links der Straße Wald, das war alles. Die zweite Hälfte war da spannender, Orte, Lokale, Geschäfte und einen guten R10 abseits der Straße.

Es ist schon merkwürdig, mittags sieht man gute Unterkünfte, wenn man um 15:00 Uhr sucht findet man nichts. Dadurch sind es dann statt ca. 75 km doch wieder über 100 geworden. Ab 16 Uhr war es leicht am fisseln, immerhin war für den ganzen Tag Regen angesagt, der aber dann erst wirklich ab 19 Uhr kam. Die Fähre hier ist hier auch kostenlos. Vor dem ersten Hotel, dass ich ansteuerte standen rund 10 Kasseler Kräder und es war belegt. Wäsche habe ich auch gewaschen, es gibt eine Heizung im Bad, die auch an ist. Es ist eine Stunde später als daheim.

 

05.06. Klaipeda - Perkone, Lettland, 98 km, gesamt 1855 km

Heute ging es um 8:15 Uhr MEZ los, 12 Grad. Nach ca. 25 km habe ich Marc aus der Nähe von Münster, 47 J., getroffen und so wie es aussieht werden wir erst mal zusammen weiter radeln. Ich sitze jetzt um 15:30 h mit seinem Gepäck und warte, er hat seine Isomatte verloren und so wollte er bis 10 km zurück. (Die Suche war nicht erfolgreich.) Egal, ich habe schon 83 km und wir sind schon 30 km in Lettland. In der Zeit schreibe ich scon mal ein paar Zeilen. Übrigens hat die erste Woche 770 km gebracht, obwohl ich einen Tag nur 42 km bis Danzig geradelt war. Gerade habe ich 2 super leckere Rollmöpse für 1,35 Euro gegessen.

Abends erstmals Campingplatz, neues Zelt aufbauen, Essen, Duschen, Schlafen. Eine Schüssel Salat mit vielen Krabben drauf, einmal Schaschlik mit Beilagen und ein großes Bier haben 16,50 Euro, der Platz 6,50 Euro gekostet. Mich hatten die hohen Preise in Litauen gewundert.

 

06.06. Perkone - Pavilostas, 77 km, gesamt 1931 km

Marc ist noch mit mir unterwegs und fährt bis Riga mit. Es sind nur 77 km geworden, erstens in eine Stadt, neue Isomatte kaufen, zweitens 6 km auf einer Straße ohne Decke, übelste Wellen, die mit Gepäck nicht mehr als 7 km/h zuließ und einen Track, der uns in die Wildnis geschickt hat, wo wir im Dickicht umkehren mussten. Wetter ist im Moment ok, 22 Grad, also direkt noch einmal campen. Gestern war der Platz super, heute nah, ja. Als wir unterwegs Rast an einer Bushaltestelle machten kam ein deutsches Paar mit Rädern und vollem Gepäck vorbei. Ich sprach sie an, sie sagten nur im Weiterfahren, dass sie Deutsche wären, angehalten haben sie nicht. Merkwürdig in der Wildnis.

 

07.06. Pavilostas - Alsunga, 35 km, gesamt 1969 km

Der Campingplatz Marina in Pavilostas war das Letzte. Wir waren auch die einzigen Gäste. Da die Mole in dem 1035 Einwohner zählenden Ort mit Yachthafen um 150 m verlängert werden soll wurde neben dem Platz bis 0:30 Uhr Schotter abgekippt. Ich schlief nur 5 Stunden, was aber nicht viel weniger als in der Vornacht war. Ich hatte heute von Anfang an keine Lust. Dann folgten auch direkt 3,5 km Waldweg wo man höllisch aufpassen musste um auf dem Rad zu bleiben. Anschließend hatten wir auf der Straße starken Gegenwind. Nach rund 18 km ging es wieder in den Wald, wo nach kurzer Zeit eine Art Brandschneise von 6,5 km, natürlich unbefestigt. Als wir die Straße erreichten kam der Regen, der schnell heftig wurde. Bis ich alle Regensachen an hatte war der Hintern schon nass. Nach 3 km kamen wir in den kleinen Ort Alsunga. Wir fanden aber keine Einkehrmöglichkeit, nur zwei kleine Geschäfte und eine mini Unterstellgelegenheit. Nach rund 30 Minuten bin ich im Strkregen los, um etwas zu suchen. Ein Gasthof, den wir schon bei unserer Anfahrt gesehen hatten, aber für geschlossen hielten, hatte doch auf, es standen 2 Räder mit Gepäck davor. Wir trafen 2 Berliner Radler, die mit der Fähre hoch gekommen waren um hier 2 Wochen zu radeln, Freitag geht die Fähre zurück.

Wir aßen etwas, die Berliner waren weg, es regnete immer noch, es gab im Haus Zimmer, die wir uns angesehen haben und so entschieden wir für heute nach 35 km um 13:00 Uhr einfach zu bleiben. Morgen soll es wieder schöner werden.

Die Rückseite unserer Pension und 6,5 km geradeaus

 

 

08.06. Alsunga - Kandava, 93 km, gesamt 2063 km

Zum Frühstück gab es 3 Tassen Kaffee, Bratkartoffen, Spiegelei, Salat. Wir waren ja die einzigen Gäste und man wollte uns wohl was Gutes tun. Aber die Pension Korfs ist eine gute Adresse, insbesondere für Radler.

Unterwegs hatten wir immer wieder Schauer, aber insgesamt großes Glück. Einmal saßen wir bei Regen an einer überdachten Bushaltestelle und mehrmals ist Regen runter gekommen als wir noch nicht da waren, aber die Straßen waren überwiegend naß. Insgesamt ließ es sich gut radeln, auch wenn es oft hoch und runter ging. Morgen sind es dann noch knapp 100 km bis Riga. Kandava hat 4000 Einwohner, 2 Hotels, 3 Geschäfte und das war es. WLAN funktioniert hier auch nicht, deshalb gibt es heute auch nur wenige Zeilen und keine Bilder. Ich muss das Tablet mit dem Handy verbinden um überhaupt was einstellen zu können.

Ich finde es enorm, wie lang hier die Tage sind. Es ist derzeit nur von 23:00 - 3:45 Uhr dunkel. Zeitlich sind wir hier eine Stunde weiter als in Deutschland. Um 17: Uhr hiesiger Zeit fällt die Temperatur auf 15 ° und man kann nicht in kurzen Sachen raus.

Ansonsten geht es mir gut, 11 Tage - 1083 km seit Fortsetzung der Tour ist ok und ich bin froh Marc getroffen zu haben, zu Zweit ist es irgendwie besser.

Wasserfall in Kuldiga, er gilt mit 240 m als breitester Wasserfall in Europa

 

 

09.06. Kandava - Riga, 99 km, gesamt 2162 km

Wir sind im Hotel ohne Frühstück abgehauen weil wir nicht bis 9:00 Uhr warten wollten. Drei Berliner und 1 Kaffee waren mir auch lieber als ein Frühstück wie gestern. Heute war der Weg ok, 14 km unbefestigt, aber mit 16 - 18 km/h befahrbar. Dabei waren wirklich schöne Landschaften zu bewundern. Man merkte auch, dass man Richtung Hauptstadt radelt, mehr Infrastruktur, saubere Orte, gute Wege, unterwegs eine super Fischbude. In Riga sind wir auf einem Campingplatz 5 Minuten von der Altstadt entfernt. Viele Wohnmobile aus NRW sind hier, auch aus GL. Sie haben freundlicher Weise das Handy geladen.

Ansonsten ist Lettland preiswerter als Litauen, Benzin kostet hier 1,12 Euro, Essen um 7 Euro, Hotel um 30 Euro. Riga ist natürlich teurer. Ca. 300 m vom Campingplatz kostet das Hotel 175 Euro.

 

Kameru Nationalpark

 

10.06. Riga - Saulkrasti, 63 km, gesamt 2228 km

Heute haben wir in Riga die "Japaner" gemacht und 2 Stunden alles fotografiert. Die Stadt ist mit 700.000 Einwohnern die größte im Baltikum und hat mir gut gefallen. Dann ging es bei 24-27 Grad Richtung Norden die Küste hoch. Straßen, aber der R13 geht auch durch den sandigen Wald. Gelandet sind wir auf einem Paintballplatz, der sogar bei Google Maps zu finden ist. Mitten im Wald, habe erst einmal mit Mückenspray geduscht. Mit Marc wird das zum Abenteuertripp. Hier gibt es natürlich kein WLAN. Gut, dass ich vor der Reise den Vertrag für das Handy geändert hatte.

Morgen werden wir wohl Estland erreichen. Mehr gibt es wenn ich wieder Netz habe.

 

 

zwei von vielen Bildern in Riga

 

11.06. Saulkrasti - Leina (Estland), 123 km, 2351 km

Heute kam Marc richtig früh aus dem Zelt, gegen 6:15 Uhr, ich hatte schon eine Stunde vorher geduscht. In Paulshafen (Pavilostas) habe ich verzichtet, die Dusche war zu sauber, ansonsten klappt das bisher täglich. Um 7:20 Uhr ging es dann auf die Schnellstraße, ließ sich am Sonntag in den ersten Stunden prima radeln. Nach 17 km kam die erste Tankstelle, Frühstück für 3,20 Euro. Um 11:30 gab es nach 60 km Mittag, Reis, Salat, Hähnchenschnitzel, Tasse Kaffee für 4,23 Euro. Später gab es auch noch ein Teilchen mit Kaffee und ein Magnum (1,29), heute ist unser Fresstag. Das Wetter war gegenüber gestern leider nicht sommerlich, 14-15°, Nebel, erst gegen 16 Uhr wurde es bester.

Wie es immer so geht, mittags sahen wir viele Campingplätze und Hotels, als wir nach 100 km gerne etwas haben wollten war nichts mehr zu finden. Nach 123 km sind wir in einem Sportcamp gelandet. Jeder hat ein Zimmer für 15 Euro, Gemeinschaftsdusche und WC, aber WLAN, Strom, ein Bett und Proviant aus der Tasche, 1-2 Mahlzeiten haben wir dabei.

Heute trafen wir richtig viele Reiseradler, erst einen Schotten, der nach Bergen gefahren war und durch Norwegen zum Nordkap gefahren war und jetzt durch die baltischen Staaten zurück fährt, einen Schweizer auf dem Weg von Berlin nach Tallinn, 3 Finnen, einer davon aus Oulu, der mir seine Anschrift gab damit ich bei ihm wohne wenn ich in der Stadt bin und weitere, die aber nicht anhielten. Marc und ich sind morgen noch ca. 40 km zusammen, dann trennen sich unsere Wege, er bleibt an der Küste und möchte zu den Inseln rüber, ich fahre nach Nordost auf Tallinn zu.

 

12.06. Leina - Rapla, 125 km, gesamt 2477 km

Was für ein schrecklicher Tag: wieder alleine unterwegs, über 100 km im Regen, falsche Route ausgesucht. Heute Nacht war es schon am Schütten und ich habe mich gefreut nicht im Zelt zu liegen. Kurz vor 8 Uhr starteten wir im Regen, nach 16 km fanden wir was, wo wir frühstücken konnten. Zwei Kilometer später war es soweit, Marc fuhr weiter die Küste entlang, in 2 Wochen muss er wieder zur Arbeit. Wir sind eine Woche und rund 600 km zusammen geradelt, es war super, es passte. Alleine werden wieder mehr Kilometer gefressen. Eines ist mir auch in der Woche klar geworden : ich radel nicht alleine Richtung Nordkap. Mein nächstes Ziel ist Oulu und dann schaue ich weiter. Die ursprüngliche Idee war eh eine Ostseeumrundung.

Ich folgte meinem daheim gemachten Track. Das war die falsche Entscheidung. Auf der Bundesstraße wäre zwar mehr Verkehr gewesen, aber es wäre kürzer und es hätte eher Tankstellen, Geschäfte und Unterkünfte gegeben. So musste ich im Regen lange radeln um überhaupt etwas zu finden. Nach 70 km kam doch an einigen Stellen das Wasser durch, die Füße waren trotz Neoprenüberschuhe naß, das Handy verweigerte die Stromaufnahme und stoppte auch unbemerkt die Trackaufzeichnung, die Brille musste ich auch absetzen. Es war einfach nur schlimm. Im Ort habe ich mehrere Personen angesprochen, die Touristeninfo hatte natürlich um 17 Uhr geschlossen, aber ich habe ein schönes Zimmer mit Frühstück für 50 Euro und habe sehr gut für 17 Euro gegessen, aber 2 Gerichte, Salat mit Brot und Hähnchen mit Reis und 2 Bier.

Übrigens kamen wir gestern durch einen Ort mit dem Namen Uulu. Das Sportcamp der vergangenen Nacht hat auch OlympiaTeilnehmer ausgebildet. Mückenstiche gibt es jeden Tag, auch durch die Kleidung. Die Schmerzen an der Rippe vom Sturz klingen langsam ab.

 

13.06. Rapla - Helsinki, 63 km, gesamt 2540 km

In der Früh Regen. Die Schuhe und die Socken, die ich gestern direkt gewaschen hatte, waren noch nicht trocken. Im Hotel waren beim Frühstück 3 junge Italiener, sie wollen mit einem Sportflugzeug von Mittelitalien zum Nordkap. Eigentlich wollten sie bis Tallinn kommen, sind aber aufgrund des gestrigen Wetters in Rapla runter gegangen. Nach dem Frühstück habe ich schön langsam gepackt und um 9:20 Uhr regnete es nicht mehr. So blieb es auch bis Tallinn, bewölkt, 15°, besser als vorhergesagt. Unterwegs traf ich 2 Frauen mit Liegerädern und 1Mann mit Up, die drei radelten Richtung Riga. Ich denke, sie waren noch gut 5 Jahre älter.

Nun sitze ich 2 Stunden auf der Fähre nach Helsinki, 43 Euro und habe WLAN, also kann ich hier schon schreiben und mich mit einem österreichischen Kollegen unterhalten, der mit dem Motorrad unterwegs ist. Unterwegs regnete es, hatte aber in Helsinki für 45 Minuten aufgehört, was zur Suche einer Unterkunft reichte. Die haben hier wirklich Hauptstadtpreise, ein Hostel für 80 Euro, wenigstens ein Zimmer für mich alleine. Aber Lust zum Rausgehen habe ich nicht mehr, also lebe ich mal wieder aus der Tüte. Ich habe noch Erdnüsse, Trinkjoghurt, eine Banane, Müsliriegel, sollte reichen.

 

 

gegen 18:00 Uhr Ankunft in Helsinki, kurze Zeit später regnet es wieder

 

14.06. Helsinki - Lahti, 140 km, gesamt 2680 km

Der schwierigste Tag bisher, dabei fing alles gut an. Die Nächte werden hier immer kürzer, von 23:00 -3:30 Uhr ist es dunkel. Um vier wachte ich auf, der Himmel war klar. Also bin ich aufgestanden, habe geduscht und gepackt. Anschließend holte ich das Rad aus dem Schuppen und besichtigte 13 km Helsinki. Aber wie in fast allen alten Stadtkernen gibt es reichlich Kopfsteinpflaster. An einer Tankstelle kaufte ich 5 Croissants, Joghurt, Prinzenrolle, Wasser und trank 2 Kaffee. Gegen 7:30 Uhr ging es los.

Um diese Zeit sind wirklich viele mit dem Rad unterwegs, mindestens ähnlich Münster, die meisten mit Rennrad und alle recht zügig. Am meisten haben mich die breiten Radwege, die an fast allen Knotenpunkten durch separate Unterführungen verlaufen, gewundert. Das ging sogar bis 40 km aus Helsinki heraus so. Und Autofahrer halten grundsätzlich an wenn ein Radfahrer kreuzt.

Und dann ging es los Richtung Lahti. Dabei wäre zu erwähnen, dass ich mich erst heute entschieden habe, welchen Weg ich nehme, alternativ geht weiter westlich oder Küstennahe. Erst steigt man von Helsinki aus, dann bleibt man in etwa auf gleicher Höhe, wobei es eigentlich ein ständiges Auf und Ab ist. Die letzten 30 km wird das Tal immer enger und steigt an. Zu allem kam den ganzen Tag eine gute Brise aus Nord dazu, so dass sich die 22 Grad nicht wirklich warm anfühlen und die mir das Leben schwer gemacht haben.

So kam ich nach 127 km, davon 13 in Helsinki, vollkommen kaputt in Lahti an. Am Ortseingang sah ich bei Google Maps nach Hotels und Campingplatz. Hotels waren treuer, 2 Campingplätze ziemlich weit weg, hätte ich weitere 12 km fahren müssen. Als ich weiter in den Ort radelte, kam ich auf englisch mit jemandem in's Gespräch, der mit Sohn zum Fußballtraining unterwegs war. Er wollte mir einen guten Platz zeigen, gar nicht weit. Erst wurde der Sohn beim Training abgeliefert, dann wurden aus 1 km 4 km, dann hatte er Probleme den Platz zu finden und musste Leute Fragen und als dann das Schild "Rezeption" in 150 m kam war er weg. Da war ein schöner See, gegenüber siehst du die Sprungschanze, nur die Rezeption ist für eine Sauna. Einen Campingplatz gibt es da nicht, ich war begeistert. Zurück in die Stadt, Hotel suchen, von dreien war dass preiswerteste 134 Euro, haben mal 13 km gebraucht und so kam ich auf 140 km. Ich war beigeistert.

Nun habe ich etwas ganz anderes, eine Art alternatives Gästehaus für 45 Euro und ich finde es sehr nett gemacht. In einer Halle stehen 4 Hütten, die bequem eingerichtet sind. Dusche, 2 Toiletten Küche und Aufenthaltsraum sind für alle da. Tee habe ich mir auch schon gekocht. Little Tundra ist wirklich mein Tipp für Radler in Lahti, FR steht auch drinnen.

Genug für heute, von 4-22:30 Uhr reicht. Und danke für all die guten Wünsche, die mich per Gästebuch oder Mail erreichen.

 

15.06. Lahti - Sysmä, 74 km, gesamt 2755 km

Heute ist ein wunderschöner Tag, wenig Wind, bis 27 Grad, ziemlich flach, klasse Landschaft, Campingplatz am See. Bei den Zielen muss ich mich jetzt ein wenig nach den Orten richten, die Abstände werden größer. Deshalb war heute schon um 14:30 Uhr Schluss. Dafür konnte ich schon mal schauen, wo es was zu essen und Geschäfte gibt. Nach dem gestrigen Tag mit über 10 Stünden unterwegs reicht das auch. Auf dem Campingplatz sind 7 deutsche Wohnmobile.

Die Preise für Essen im Imbiss und in den Geschäften sind ähnlich wie bei uns, eine Dose Bier kostet allerdings im Laden um 3 Euro, Benzin 1,49 Euro, ich hatte noch nichts alkoholisches getrunken. Habe mir am Abend aber eine Dose für 5 Euro geleistet.

Und da sind sie nun, die finnischen Seen. Eine traumhafte Landschaft. Gestern habe ich mich noch gefragt, was ich hier mache, heute habe ich die Antwort: gucken und staunen. Reiseradler sind mir in Finnland aber noch keine begegnet.

 

Fazit aus den Baltischen Staaten, Litauen hat einschließlich Kurische Nehrung 100 km Ostseeküste und ist teuer. Lettland hat mir am besten gefallen, viele sprechen Englisch, die Menschen sind sehr freundlich, die Infrastruktur ist für reisende gut und es ist preiswert. Dazu kommt mit Riga eine wirklich schöne Stadt. In Estland hat man Probleme, Unterkünfte und Geschäfte zu finden, die Verständigung ist schwieriger und die Esten sind verschlossener. In allen drei Ländern fahren viele Holztransporter herum. Die Luftverwirbelung dieser Fahrzeuge ist selbst im Gegenverkehr für Radler so stark, dass man den Lecker besonders festhalten muss.

 

16.06. Sysmä - Jyvaskylä, 116 km, gesamt 2877 km

Heute war ein harter Tag, immer auf und ab und zwei verdammt lange Anstiege. Von 5,1 bis 52,38 km/h war alles drin. Irgendwie erscheint mir das anstrengender als die Alpen und ich meine nicht, dass es daran liegt, dass ich vier Jahre älter bin. Landschaftlich gab es tolle Bilder. Das Wetter war sonnig mit bis 30 °. Ich bin wieder auf einem Campingplatz. Die nehmen hier 20 Euro, haben Sauna, Skisprungschanze im Hintergrund, Rollerabfahrten, Hüpfburg und vieles mehr (was ich nicht brauche). Zwei Kradfahrer aus Thüringen zelten auch hier. Ich könnte mal eine Nacht 2 Steckdosen gebrauchen, das Tablet hat nur noch 42% und das Handy muss immer ausschalten und bei Wohnmobilfahrern betteln. Bilder und Track wird es also später geben.

Nun wird hier auch noch in 6 Minuten geschlossen. Einen finnischen Biker auf dem Weg nach Helsinki habe ich heute getroffen. Die Kradfahrer erzählten abends noch, dass sie am Nordkap waren. Sie fanden die Steinwüste nicht lohnenswert. Um 19 Uhr war dann auch schon die Küche geschlossen, so dass ich wieder aus der Tüte leben musste, ein Bier hatte ich noch bekommen.

Ich hoffe, die beiden Landschaften vermitteln wie hoch ich da bin

 

 

17.06. Jyvaskylä - Taravaala, 82 km, gesamt 2960 km

Heute dachte ich, es geht gar nicht voran. Nach 18 km ging dann auch noch 15 Minuten Starkregen runter. Ich stand zum Glück unter einem Minivordacht, Rücken an der Hauswand, Handtuch vor die Beine gehalten, sonst wäre ich durch und durch nass gewesen. Zum Glück hielt es sich mit den Steigungen in Grenzen.

Ich suche mir als Tages Ziel immer Orte aus, die auf den Straßenschildern stehen, denn nur die sind auch größer. Vier Kilometer vor dem heutigen Ziel war an der Straße ein Hinweisschild auf eine Unterkunft. Ich dachte, fahr noch bis zum Ort, haste morgen weniger. Nur im Ort gab es überhaupt nichts, also musste ich wieder 4 km zurück und von dort 4 km zum einzigen Hotel, 134 Euro. Aber das muss mal wieder sein. Vor allem habe ich beide FR-Shirts gewaschen und mal die Taschen ausgepackt und vorm Sand befreit. Übrigens werden in Finnland die meisten Schlösser entgegen unserer gewohnten Richtung aufgeschlossen.

Luxus

Und das Abendessen war super. Es gibt hier für 18 Euro Buffet, Lachs, weiterer Fisch, Salat, Linsensalat, Rinderbraten, Pudding, Kartoffeln, Kartoffelgratin, Nudelsalat, Brot und frei Wasser, Milch, Kaffee, Tee, Saft. Herz, was willst du auf so einer Radtour mehr.

 

18.06. Taravaala - Vikin Kartano (Campingplatzbezeichnung), 95 km, gesamt 3055 km,

Der Tag im Nichts, kein Geschäft, keine Unterkunft, keine Gaststätte, kein Asphalt, nichts. Dabei war der Tag mit einem sehr guten Frühstück im Hotel angefangen. Ein paar Kleinigkeiten habe ich auch für unterwegs entführt, zum Glück. Nach 10 km fing es an zu regnen und hielt sich gut 3 Stunden dran. Irgendwann hat man so nasse und Kälte Hände, dass man kaum noch schalten kann. Ich habe keine wasserfesten Winterhandschuhe mit, ich hätte ich bei keine 14 Grad gut gebrauchen können. Als es dann nicht mehr regnete bin ich ca 40 km auf Straßen ohne Asphalt geradelt. Aber das deutete schon darauf hin, dass man hier nicht viel finden wird. Die Orte, die auf der Karte verzeichnet waren hatten auch kaum 10 Häuser.

Als ich dann mal in Google Maps nach Unterkünfte schaute war weit und breit nichts. Zwanzig Kilometer weiter zeigte das Smartphone mir dann eins in 14 und eins in 17 km an, natürlich in unterschiedlichen Richtungen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich 80 km unter schwierigen Bedingungen hinter mit. Ich entschied mich für 14 km. Als ich ankam war alles leer und auf dem Schild konnte ich erkennen, dass Sonntag geschlossen ist. Ich traf einen Mann auf dem Gelände, der mir dann auf englisch erklärte, dass das nächste Hotel in Richtung Oulu 30 km entfernt sei, Richtung Süden 17 km. Ich habe ihm dann erklärt, dass ich nach 95 km nicht mehr so weit radeln könnte und nur ein Bett bräuchte, er hatte ein Einsehen. Heute Nacht werde ich wahrscheinlich mit knurrendem Magen wach werden, viel ist nicht in der Provianttüte.

Was lernt man daraus: man kann nicht nur den Track daheim machen, sondern sollte sich auch dabei über die Infrastruktur informieren. Übrigens habe ich am Wegesrand aufgehende Maiglöckchen gesehen und gestern hat mir jemand erklärt, dass ich Glück habe, dass aufgrund der langen Kälte kaum Mücken unterwegs sind, mich verfolgen sie jeden Tag.

Nun bin ich genau 3 Wochen seit Fortsetzung der Tour unterwegs. Dem Anspruch auf 100 km täglich bin ich mit 2075 km sehr Nahe gekommen. Aber das Radfahren in Finnland hatte ich mir nicht so schwer vorgestellt. Wenn man vom Land der Seen spricht denkt man, es ist alles flach. Es geht aber ständig hoch und runter. Von Leverkusen habe 3055 km geradelt. Da ist jeder Kilometer drin, Usedomrundfahrt, Unterkünfte in den Orten suchen, Einkaufen, Stadtrundfahrten. Wie es weiter geht entscheide ich in Oulu, das Nordkap habe ich nicht mehr in meiner Planung.

 

19.06. aus dem Nichts - Nivala, 113 km, gesamt 3168 km

Ich hätte heute einfach schreien können. Die letzten 27 km waren flach, aber der Gegenwind so heftig, dass ich 3 Stunden gebraucht habe, mit Pause. Nach 85 km kam ich nur noch mit 10-13 km/h voran und die waren mal wieder hart.

Eigentlich begann es recht gut. An der E75 stand auf dem Schild noch 224 km bis Oulu. Ich folgte der Straße 20 km und habe dann eine wirklich große Portion Eier mit Speck und Brot und soviel Kaffee wie ich wollte für 10,90 Euro gefrühstückt. Nach weiteren 5 km habe ich aber die E75 verlassen um wieder auf den Track zu kommen. Auf dem 30 cm breiten Seitenstreifen von Lkw mit 100 überholt zu werden ist auf Dauer nicht angenehm.

Aber mein Track führte bald wieder auf eine unbefestigte Straße, dann sogar in den Wald, über eine Fahrspur auf Rasen und grauem Schotter. Ich war beigeistert und kam mit 9 km/h voran. Als dann mal wieder Straße kam war ich begeistert, ganz frische Schwarzdecke, aber die hörte nach einem Kilometer auf, Baustelle, 5 km Schotter, wo der Asphalt noch fehlte. Im nächsten Ort habe ich dann geschaut, ob im Ort später ein Hotel ist. Ich habe dort ein Zimmer reserviert und dann kam die Windstrecke. Obwohl ich 113 km geradelt war, Oulu ist immer noch 150 km entfernt.

Hallo Wolfgang, wenn du das gestrige Fähnchen zoomst kommt der Name Wikin Kartano. Da ist kein Ort, das ist der Name des Campingplatzes mit Hotel und Restaurant. Aber außer mir war da niemand. Ähnlich war es mit dem zweten Namen. Und Hanne, ich werde ja noch weiter radeln. Nur ob ich um die Ostsee radel oder mit einer Fähre nach Schweden komme entscheidet sich erst in Oulu.

Die Landschaft durch den Wald, sah gut aus, aber mit dem kompletten Gepäck muss man so was nicht haben.

 

20.06. Nivala - Oulu, 155 km, 3323 km

Ich bleibe nun 2 Tage in Oulu, der Partnerstadt Leverkusens, deshalb gibt es nach den Kilometern und jetzt 22: 27 Uhr Ortszeit erst mal nichts weiter.

Gefrühstückt, nun kann ich was schreiben. Gestern lief es, 18-20°, Wind selten von vorne, die Regenwand zog östlich an mir vorbei und 98% Asphalt. Eigentlich hatte ich nicht vor bis Oulu zu radeln, aber in dem Örtchen nach 97 km gab es mal wieder nichts. Bis zum nächsten Ort waren es wieder 28 km und da es gut rollte kam die Entscheidung bis Oulu zu radeln.

Da ich vorher Herrn Gottfried Effe vom finnisch-deutschen Freundschaftsverein mein kommen erst für Mittwoch angekündigt hatte, musste ich einige Telefonate tätigen, wobei ich vergaß, die Trackaufzeichnung zu starten, es fehlt also was.

Nach 9,5 Stünden traf ich dann Herrn Effe, der mir hier schon ein Hotelzimmer besorgt hatte und sich heute auch dankenswerterweise um meine Wäsche kümmert. Ich habe heute "frei" und steige auf keinen Fall auf's Rad.

So, habe mich entschieden: werde mit dem Zug knapp 800 km nach Süden bis Turku fahren, von dort 11 Stunden mit der Abendfähre nach Stockholm übersetzen und in Schweden Richtung Dänemark radeln.

Die Holzbrücke schwankte ganz schön unter meiner Last 

Der Schutz Mann steht auf dem Marktplatz in Oulu und ist auch bei Wikipedia zu finden

 

 

21.06. Ruhetag

Heute habe ich das Rad gar nicht aus dem Abstellraum geholt. Das Hotel Radisson Blu ist direkt in der Altstadt gelegen, mit Blick auf das Wasser. Vormittags war ich in kurzer Hose bei 12° in der Stadt, alle anderen Sachen sind ja zum Waschen weg. Ich brauchte ein neues USB-Kabel, mit nur einem Kabel ist mir auf Dauer zu unsicher, da ich unterwegs auf die Stromversorgung fürs Smartphone angewiesen bin, weil ich ja damit navigiere, Karten habe ich keine mit. Mittags habe ich kleine gegrillte Fischchen aus dem Eismeer gegessen, mit Kopf und Schwanz. Nachmittags habe ich telefoniert, geschrieben, gelesen und den Hotelpool genutzt. Abends gab es Pizza, ich hätte gerne Nudeln gegessen, die gab es auf der Tour bisher in keinem Lokal. Nun werde ich "Purpurne Rache" von Grange weiter lesen und früh schlafen gehen.

 

22.06. Ruhetag, 10 km

Ein herzliches Dankeschön an Gottfried Effe, der mich sehr nett in Oulu unterstützt hat und mir die Stadt näher gebracht hat, danke.

Hurra, dank Gottfried Effe habe ich wieder alles sauber, 3 Teile konnte ich dann gerade im Hotel auf der Hand waschen. Vor allem habe ich wieder eine Länge Hose, was bei 8,2 Grad Vormittags dringend erforderlich war.

Nachmittags hat Gottfried mir einiges in der Stadt gezeigt und erklärt. Mir fiel insbesondere auf, wie viele Grünflächen und sonstige Freiflächen in einer Stadt von etwas über 200.000 Einwohnern vorhanden sind und somit das ganze Stadtbild aufgelockerten ist. Abends waren wir in einem ehemaligen Speicher am Wasser essen, ich habe Elch probiert, was vom Geschmack an mageres Rindfleich erinnert.

Das 2. Problem habe ich auch mit seiner Hilfe gelöst, wie komme ich hier weiter. So wie ich es mir vorgestellt hatte auf jeden Fall nicht. Um nach Turku zu kommen muss ich nach Tampere, normalerweise dort umsteigen um nach Helsinki zu fahren und von dort nach Turku. Nun ist aber wohl irgendwas auf der Strecke und man muss in Tampere in den Bus steigen, der aber keine Räder mitnimmt. Auch Busse von Oulu nach Turku nehmen keine Fahrräder mit. Nun fahre ich morgen mit dem Zug knapp 500 km von Oulu bis Tampere und werde die 160 km bis Turku selber radeln. Es ist nicht einfach von Nordfinnland nach Mittel-Schweden zu kommen. Ich möchte ab Stockholm bis Kopenhagen dann wieder an der Ostseeküste radeln.

 

23. und 24.06. Oulu, Turku, Stockholm, Södertälje, 67 km, gesamt 3408 km

Gestern ging es mit dem Zug (49 Euro ) um 11:55 Uhr von Oulu nach Tampere, frühere Züge nehmen keine Fahrräder mit. Normalerweise verkehren auch von Tampere nach Turku Züge, durch Bauarbeiten werden derzeit Busse (28 €) auf der Strecke eingesetzt. Der Zugschaffner gab mir die Auskunft, dass auch FR im Bus mitgenommen werden. So war es dann auch, zwei Räder waren da und früh genug für die Fähre waren wir auch.

Viking war komplett ausgebucht. Hier traf ich noch 2 Kanadier, einer mit Fahrradhänger, die auf Europa Tour sind und nun zurück Richtung Brüssel radeln um von dort die Heimreise anzutreten. Sie wollten in jedem Fall erst am nächsten Morgen weiter. Also schnell rüber zur zweiten Fährmöglichkeit, Silja-Line, aber auch hier war alles voll, aber die Dame am Schalter fand dann doch noch eine Kabine. (62 €) Bei den Nachtfähren ist es Pflicht, dass alle Passagiere einen Kabinenplatz buchen. Ich fand recht schnell meine Kabine, legte Jacke und die beiden Taschen ab und kümmerte mich um's Essen, ich bekam noch einen Platz im Restaurant (35 €), dafür gab es aber super Buffet und so viel Bier wie man wollte, Ich habe wohl ein Glas zu viel genommen Als ich gegen 22 Uhr in meine Kabine kam waren 3 Betten gemacht und einer schlief schon, ich ging noch mal wandern. Als ich dann kam schliefen schon zwei. Ich wollte auch kein Licht einschalten und groß Krach machen, also habe ich mich einfach in Sachen hingelegt. In der ersten Stunde bekam ich alles mit, habe aber etwas über 4 Stunden geschlafen. (Das Bettzeug ist hinter der Rückenlehne)

Das Problem war einfach der Tag, Mittsommerfest ist wie Karneval in Köll. Viele nutzen die Fähren zum Feiern, es gibt Alkohol zu einem Spottpreis für Finnen, es ist Live Musik und Disco an Bord und vieles mehr, nur der Duty Free Shop hat sich aus meiner Sicht nicht gelohnt, die große Milka kostet über 3 €, Glenfiddich ist doppelt so teuer, Zigaretten 4,80 €.

auf Wiedersehen Finnland 

 

Morgens Ankunft in Stockholm

In Stockholm suchte ich nach Verlassen der Fähre erst mal einen trockenen Platz um die Regenklamotten über zu ziehen, kaum hatte ich sie an, hörte es auf. Ich bin etwas durch die Stadt, aber selbst McD hatte noch geschlossen. Ich fand dann direkt im Stadtkern ein Cafe, in dem bereits 8 uniformierte Polizisten frühstückten und nochmal 2 Streifenwagenbesatzungen dazu kamen. Mir war vor allem die Toilette wichtig. Dort hatte ich auch die Regensachen ausgezogen, als ich vor die Tür trat fing es wieder an und wollte nicht mehr wirklich aufhören. So war nach der Nacht der Entschluss früh ein Hotel zu suchen nicht schwierig. Gleichwohl habe ich wieder einige Umwege drin gehabt, Sackgasse, Waldweg sollte ich gerade aus fahren, es ging aber nur rechts und links steil hoch, kürzeste Weg wurde zur Autobahn, mal läuft's, mal nicht.

 

25.06. Södertälje - Nyköping, 77 km, gesamt 3485 km

Es wäre ohne Wind ein super Tag gewesen. Bis 24°, einmal kurz 5 Tropfen, nur leichte Anstiege, aber wenn man teilweise bergab treten muss um nicht stehen zu bleiben, ist es Arbeit. In Finnland hatte ich oft Nordwind, hier kommt er beide Tage aus Südwest.

Zweimal kamen mir heute Reiseradler entgegen, einmal ein Schotte und dann zwei Australier, die schon 2 Jahre unterwegs sind und nun die Fähre Stockholm - Danzig nehmen wollen um Richtung Kirgirsistan zu radeln. Das ist doch mal Leistung.

Was ich noch von Finnland erwähnen wollte: ich habe einen Auerhahn in freier Natur aufgescheucht und es gibt rund 130 Lidlfilialen. Und ich hätte auf besseres Wetter zum campen gehofft, auch heute zieht es sich wieder zu. Und ich habe gestern von 18-21 Uhr und von 23-06 Uhr geschlafen.

 

26.06. Nyköping - Linköping, 105 km, gesamt 3591 km

Frust. Nach 2 km fing es morgens an zu regnen, fast 3 Sjtunden in Regensachen geradelt, unter 13 Grad. Dabei habe ich auch meine Sonnenbrille verloren. Entweder habe ich sie an einer Bushaltestelle liegen lassen oder beim Fotografieren auf die hintere Tasche gelegt und nicht dran gedacht. Zum Glück war es die alte billige Brille. Ich habe eine zweite mit.

Aufgrund der Gesamtsituation wollte ich nä 62 km in Norrköping, wo ich kurz vor 12 Uhr war, mit dem Zug nach Malmö fahren, die schwedische Eisenbahn nimmt keine Fahrräder mit. Es gibt einige Privatbahnen, die Räder transportieren, aber welcher Ausländer begreift da, wie ich wo fahren kann, auf jeden Fall nicht auf direktem Weg nach Malmö.

Also vielleicht mit einem Bus. Der erste Läden war ÖPNV, der zweite hätte mir eine Fahrkarte verkaufen können, aber für das Rad muss ich einen Platz im Internet kaufen, wie soll ich das auf schwedisch hinkriegen. Ich habe auf den Bus gewartet und direkt mit dem Fahrer verhandelt. Fahrkarte ist das eine, aber das Rad muss auch auseinander geschraubt und im Karton verpackt sein. Für den ganzen Scheiss habe ich drei Stunden verplempert.

Ich habe mich dann um 15:30 Uhr auf mein Rad geschwungen um mein Tages Ziel Linköping in weiteren 40 km zu erreichen. Natürlich fing es 14 km vorher auch noch mal an zu regnen.

In Linköping habe ich dann das erste genommen was kam, ein Motel, ich würde im besten Deutsch empfangen, der Inhaber hat mal in Dormagen gelebt. Ich bekam auf meinen Wunsch Lasagne mit Schnitzel, nach vier Wochen endlich mal Nudeln. Zwei Bier und 1 Eis gab es auch noch und der Inhaber hat sich gefreut, dass er mal wieder deutsch sprechen konnte.

 

27.06. Linköping - Jönköping, 137 km, gesamt 3726 km

Die ersten 65 km waren wieder von starkem Gegenwind geprägt. Am Vätternsee fuhr ich nach Süden und es war besser. Vom See habe ich traumhafte Aufnahmen und Eindrücke, kommen aber erst, wenn ich in einem Hotel bin, heute bin ich zum achten Mal in den 40 Tagen auf einem Campingplatz.

Morgens konnte ich rund 15 italienische Wohnmobile bei der Abfahrt von einem Campingplatz beobachten. An der Raststätte am Vätternsee waren drei Personen mit Wohnmobil und abends stand ein Paar aus Burscheid auf dem Platz , die zum Nordkap wollen.

Schöner Ausblick auf den Vättersee, aber nur flach am Ufer entlang ist nicht. Jedes Jahr (17./18.06.2017) findet die Seeumrundung mit dem FR an einem Tag statt, rund 300 km. Es starten rund 20.000 Teilnehmer in kleinen Gruppen mit jeweils 20 Minuten Abstand.

 

Der Track führt 10 km über eine landschaftlich traumhafte verkehrsarme Straße, es war einfach zum Schauen und Genießen.

 

28.06. Jönköping - Ljungby, 128 km, gesamt 3857 km

Heute begann der Tag so, wie ich ihn mir eigentlich bei Sommerwetter immer vorgestellt habe: Camping, früh los (5:40 Uhr), nach 20 km Kaffee und Toilette an einer Tankstelle, um 10:30 Uhr Eier mit Speck bei Kilometer 50 und dann den Rest des Tages langsam angehen lassen. Der Wind wurde auch erst um 12 Uhr wach, bis 24°, später zog es sich zu und es gab 3 Tröpfchen. Da ist auch der schwerste Anstieg der bisherigen Tour nach rund 10 km schnell vergessen.

In Vernamo hatte ich direkt zwei Negativerlebnisse: eine Fahrerin fuhr mit Schwung rückwärts vom Grundstück, ich kam Dank hydraulischer Scheibenbremse 5 cm vor der Berührung der Fahrertür zum Stehen. Und am Bahnhof wollte ich noch einmal versuchen mit FR nach Malmö zu kommen. Heute war auch jemand am Schalter. Er nannte mir eine Stadt, die rund 45 km nach Südost lag und sagte, ich könne ja mit dem Zug um 13:15 dort hin fahren, da wäre ich an der Hauptstrecke und sollte dann fragen, wie ich von da weiter käme, herzlichen Dank . Da radel ich doch lieber weiter nach Südwest, auch wenn mir alleine und bei den Witterungsbedingungen inzwischen die rechte Lust fehlt.

Tom, ich bin heute schon fast auf gleicher Höhe, aber weiter westlich als der von dir genannte Ort.

Heute bin ich im Best Western, das bisher teuerste Hotel mit 110 Euro, aber nicht das beste, Showergel reichte gerade noch für die Hände, die Duschkabine sehr klein, mal schauen, was noch kommt.

 

29.06. Ljungby - Helsingör (Dänemark), 139 km, gesamt 3996 km

Nachdem ich in drei Tagen 404 km geradelt bin habe ich heute Schweden verlassen und die Fähre von Helsingborg nach Helsingör genommen, 20 Minuten dauert die Überfährt.

Am letzten Tag war mir das Wetter wohlgesonnen, der vorhergesagte Regen blieb bis auf zwei Minuten aus und ich hatte tatsächlich Rückenwind, sonst wäre ich auch wohl nicht bis Helsinkborg gekommen. Ich hatte um 12:30 Uhr nach 80 km tierischen Hunger und habe eine Pizza Hawaii gegessen, sonst esse ich unterwegs nicht soviel, erst abends.

In Helsingör habe ich auf dem Campingplatz eine Hütte mit Bad. Morgen geht es weiter nach Kopenhagen. Schweden ist schöner zum radeln als Finnland, die Infrastruktur ist besser, es ist flacher und ich bin nur auf befestigten Straßen geradelt. Die letzten beiden Tage waren von dem einen Anstieg von 2 km abgesehen flach.

Fisch aus Müll in Helsingör

 

30.06. Helsingör - Kopenhagen, 56 km, gesamt 4053 km

Um 07:00 Uhr bin ich am Campingplatz in Helsingör los geradelt. Die rund 44 Kilometer bis in die Stadt "Kopenhaven" waren einer der schönsten Abschnitte. Es geht fast immer am Ufer entlang mit Blick auf das Wasser. Nach einiger Zeit überholte mich ein nettes Paar aus dem Raum Kiel, das nach Göteborg gefahren ist und von dort nun dem R 9 folgte und den vierten Tag unterwegs waren. An einer Tankstelle hielten wir für den ersten Kaffee und einen kleinen Imbiss an, ich hatte 23 km hinter mir. Leider fing es dann auch an zu regnen und das hielt sich auch den ganzen Tag so dran. Da ich ja nur bis Kopenhagen wollte war mir das Tempo mit 20 km/h zu schnell und so trennten sich unsere Wege nach ca. 10 km wieder. 

Gegen 11:20 Uhr war ich am Bahnhof, zog mir eine Nummer und reihte mich in die Menge der wartenden Kunden ein. Es dauerte eine Stunde bis ich zum Schalter durfte. Ich wollte eine Fahrkarte für mich und das Rad bis Köln. Erst mal ging über das ganze Wochenende mit dem Fahrrad gar nichts. Nach einer kurzen Unterhaltung mit ihrer Nachbarin war dann doch eine Fahrradmitnahme im Zug um 18:54 Uhr möglich, Umstieg in Frederica, Flensburg und Neumünster mit Ankunft in Hamburg um 0:32 Uhr. Dort müsse ich dann sehen, wie es weiter ginge. Das war ja schon mal was. Ich bezahlte mit Visakarte 60 dänische Kronen und bekam 2 Karten. Über den geringen Preis war ich erstaunt, habe aber nicht weiter darüber nachgedacht. Nun hatte ich rund 7 Stunden Zeit, aber leider regnete es immer noch so stark, dass ich nur ein paar hundert Meter weiter fuhr um etwas zu Essen. Anschließend bin ich wieder zum Bahnhof und habe mir dort die Zeit vertrieben. Da in Frederica nur 6 Minuten Umsteigezeit war habe ich einfach versucht, den Zug eine Stunde eher zu nehmen. Ich zeigte auf dem Bahnsteig meine beiden Karten dem Servicemann und der sagte, dass ich in Wagen 62 einsteigen müsse. 

Bei der Kontrolle meinte die freundliche Schaffnerin dann zu mir, dass es sich bei den beiden Karten nur um die Fahrradkarten handeln würde, eine Fahrkarte müsse ich aber auch haben. Sie stellte mir dann  problemlos eine Fahrkarte bis Flensburg für 444 DKK (59,75 €) aus. Warum habe ich mich eigentlich angestellt? Der Schaffner im Folgezug, nur 4 Minuten Aufenthalt, in Flensburg,  weiß, dass die Dänen nur bis zur Grenze Fahrkarten verkaufen und auch hier bekam ich sofort eine Fahrkarte für einen IC, 134 € einschließlich FR. Eine Platzreservierung für das Rad war aufgrund der Zeit natürlich nicht drin.

In HH hatte ich wirklich großes Glück. Um 0:32 Uhr sollte ich ankommen und der nächste Zug nach Köln wäre um 04:42 Uhr abgefahren. Als ich aber in Hamburg ankam stand der IC von 22:46 Uhr noch auf der Tafel, er hatte 150 Minuten Verspätung. Durch diese Verspätung (durch Demontrationen in Hamburg verursacht) hatte ich nur 50 Minuten statt über 4 Stunden Aufenthalt und weiter ging es. In Dortmund konnte ich mit 4 Minuten Aufenthalt am gleichen Bahnsteig in den RE 1 wechseln und so war ich kurz nach 6:00 Uhr daheim.

Eine Bilanz wird es in den nächsten Tagen geben, zuerst freue ich mich wieder daheim bei meiner lieben Andrea zu sein.

vor dem Bahnhof in Kopenhagen

 

Danke

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die mich vor und während der Tour unterstützt haben. 

An erster Stelle denke ich da natürlich an meine liebe Andrea, der ich schon seit Jahren mit einer großen Radtour nach meiner Pensionierung in den Ohren gelegen habe und die mir stets geholfen hat, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Natürlich war sie in den letzten Tagen vor der Tour nicht mehr ganz so begeistert, weil sie an die lange Trennung dachte, aber in der Hinsicht ist ja einiges anders gekommen als geplant. 

Das Team des Fahrradmarktes Leverkusen hat mich über Wochen ideell und materiell unterstützt und mir geduldig vieles beigebracht, damit ich Schäden am Rad beheben konnte, danke. Zum Glück brauchte ich unterwegs keine Reparatur durchführen.

Gottfried Effe vom finnisch-deutschen Freundschaftsverein hat sich drei Tage lang in unserer Partnerstadt Oulu rührend um mich gekümmert und mir die Stadt näher gebracht.

Unser Sohn hat seine Erfahrung von mehr als 2 Jahrzehnten Pfadfinder Stamm Gezelin genutzt und mehrmals geholfen mein Gepäck zu reduzieren. Er hat mir aber auch viele Campingartikel zur Verfügung gestellt.

Marc, der mich eine Woche im Baltikum begleitet hat, worauf ich später noch näher eingehen werde.

Und natürlich möchte ich mich auch bei allen bedanken, die mich durch Gästebucheinträge, Mails und WhatsApp angespornt haben. 

 Fazit

Ich war mit der Absicht gestartet, 3 - 4 Monate auf Tour zu sein und zum Nordkap zu radeln. Beide Ziele habe ich nicht erreicht, bin aber trotzdem mit dem Ergebnis zufrieden. Immerhin habe ich in 9 Ländern (Deutschland 1020 km, Polen 543 km, Russland 152 km, Litauen 101 km, Lettland 515 km, Estland 235 km, Finnland 775 km, Schweden 653 km, Dänemark 55 km) 4053 km mit dem Fahrrad zurück gelegt. Hinzu kommen einige Kilometer mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Tallinn - Helsinki mit der Fähre, Oulu - Tampere mit dem Zug, Tampere - Turku mit dem Bus, Turku - Stockholm mit der Fähre, Kopenhagen - Leverkusen mit dem Zug.

Leider war das Wetter vom ersten Start am 25.04. bis zur Heimkehr am 01.07. immer ein Thema gewesen und hat maßgeblich zur Verkürzung der Tour beigetragen. Schon die ersten neun Tage von Leverkusen bis zur Insel Usedom waren von Temperaturen im einstelligen Bereich und von stürmischem Gegenwind bestimmt und führten dazu, dass ich am 06.05. mit dem Zug heim gefahren bin. Drei Wochen später bin ich wieder mit der Bahn los und hatte auf Usedom sogar das gleiche Zimmer um von dort meine Tour fortzusetzen. 

Richtige trockene Sommertage gab es nur wenige, daher habe ich auch nur acht Mal das Zelt aufgebaut, zweimal hatte ich 100 km im Regen, am 22.06. waren es in Oulu um 10:00 Uhr 8°. In Finnland gab es jeden Tag Nordwind, in Schweden an 5 von 6 Tagen Südwestwind, also immer mehr oder weniger Gegenwind. In Dänemark fing es am 01.07. um 8:30 Uhr an zu regnen und hörte den ganzen Tag nicht mehr auf. Ich wollte bis Deutschland radeln, war es aber dann so leid, dass ich in Kopenhagen die Tour nach 5 Wochen wieder beendet habe.

Ein weiterer entscheidender Grund warum ich nicht bis zum Nordkap geradelt bin war das Alleinsein. Nachdem ich eine Woche mit Marc zusammen unterwegs war wusste ich, wie angenehm es ist, wenn zwei gemeinsam radeln, die sich verstehen und ein gleiches Leistungsvermögen haben. Nach der Trennung wusste ich, dass ich so lange Zeit nicht alleine radeln möchte und ich nicht bis zum Nordkap fahren werde wenn ich niemanden mehr treffen sollte, der das gleiche Ziel hat. Dies wurde in Finnland mit jedem Tag bestätigt, wo es hinter Sysmä problematisch wurde, abends etwas zu finden. Als mir die beiden Thüringer Motorradfahrer dann noch erzählten, die Steinwüste mit der Weltkugel lohnt nicht, habe ich mich entgültig davon verabschiedet. Von Oulu wären es noch 1000 km gewesen. 

Ich habe auch so viel gesehen, endlich mal den Norden Europas kennen gelernt, nette Menschen getroffen, keine Panne gehabt und bin gesund wieder nach Hause gekommen. Insgesamt habe ich 10 kg abgenommen, 3 kg hatte ich in der ersten Woche daheim wieder drauf.

Statistik

Reisetage gesamt 47
Tourtage geradelt 41
vorher: Versicherung, Visum, Zelt, Kleidung 650 €
Ausgaben unterwegs  4200 €
davon Übernachtungen 2200 €
und Bahn und Fähren 500 €
Strecke 4053 km
längste Etappe  155 km
kürzeste Etappe wegen Regen 35 km

 

Ausrüstung  unterwegs

 

 

Bilder der Ostseetour   am 19.11. eingestellt

 

Der Weg 

Die geradelte Strecke Leverkusen - Oulu enthält 80 km (2 Stunden) Fährfahrt von Tallinn nach Helsinki. Von Oulu bin ich mit Zug und Bus nach Turku und von dort mit der Fähre nach Stockholm gereist. Von Stockholm bis Kopenhagen ging es dann wieder mit dem Rad (mit 20 Minuten Fähre Helsingborg - Helsingör), insgesamt 4053 km mit dem Rad.

 

Wenn die Trackangaben und die Einträge im Blog nicht übereinstimmen liegt es daran, dass bei meiner Kilometerangabe Fahrten für Einkäufe, Hotelsuche usw. noch dabei sind. Diese sind in der Regel aber bei der GPS-Angabe nicht enthalten.

Leverkusen - Fröndenberg

Fröndenberg - Steinhagen

Steinhagen - Stolzenau

Stolzenau - Nähe Soltau   ein Stück wird als gerade Linie dargestellt, ich hatte nach einer Pause vergessen, die Aufzeichnung zu starten

Soltau - Mölln

Breitenfelde - Neubukow

Neubukow - Wustrow

Wustrow - Stralsund

Stralsund - Zinnowitz

Usedomrunde bis Swinemünde

Zinnowitz - Mrzezyno

Mrzezyno - Karvice

Kravice - Rumia

Rumia - Danzig

Danzig - Frauenburg

Frauenburg - Zelenogradsk

Zelenogrask - Klaipeda (Litauen)

Klaipeda - Perkone

Perkone - Pavilostas

Pavilostas - Alsunga

Alsunga - Kandava

Kandava - Riga

Riga - Saulkrasti

Saulkrasti - Leina

Leina - Rapla

Rapla - Tallinn

Helsinki - Lahti

Lahti - Sysmä

Sysmä - Jyvaskylä

Jyvaskylä - Taravaala

Taravaala - Im Nichts

E75 Ecke 775 - Nivala

Nivala- Oulu

Stockholm - Södertälje

Södertälje - Nyköping

Nyköping - Linköping

Linköping - Jönköping

Jönköping - Ljungby

Ljungba - Helsingborg

Helsingör - Kopenhagen

 

 

 

 

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